aus Dresdner Blätt´l 06/99
Mai 1849-Barrikaden in Dresden
-Ursachen, Akteure, Ziele-
Die Redaktion des Dresdner Blättl veröffentlicht in Vorbereitung der Tagung zum 150. Jahrestag des Dresdner Maiaufstandes (7./8.Mai 99) eine 3teilige Artikelserie des Verein für regionale Politik und Geschichte Dresden e.V. die an die Problematik des Maiaufstandes und den damit verbundenen Veranstaltungen heranführen soll.
1. Teil Das tolle Jahr" 1848
Europa Mitte des 19.Jahrhunderts. Auf dem europäischen Kontinent herrschte eine tiefe Krise. Der Übergang von einer Agrargesellschaft mit feudaler Bindung zu einer bürgerlichen Gesellschaft hatte eingesetzt. Die industrielle Revolution warf neue Probleme auf. Europa befand sich im Umbruch.
Es begann mit einer Nachricht aus Paris. Der König war gestürzt worden. Die Unruhen weiteten sich auf den größten Teil Europas aus.
Am 27. Februar 1848 begann in Mannheim mit einer Massenversammlung der Liberalen und Demokraten die Revolution in Deutschland. Die gemäßigt-liberale wie die radikal-demokratische Opposition forderte Presse-und Versammlungsfreiheit, Volksbewaffnung und die Einberufung eines deutschen Nationalparlaments.
Die Regierungen in den Unruhezentren von Berlin, Wien, Dresden und Karlsruhe reagierten ängstlich und kompromißbereit. Überall ging die Bevölkerung unbewaffnet auf die Straße, liberale Bürgerkomitees überreichten den Regierungen ihre Reformprogramme und setzten innerhalb weniger Tage ihre Forderungen durch.
Auch in Sachsen sanden Liberale und Demokraten an den König Adressen mit verschiedenen Forderungen, z.B. Rüchtritt der Minister, Einsetzung eines liberalen Kabinetts, Presse-, Vereins-und Versammlungsfreiheit, Reform des Wahlrechts.
Am 13. März entließ König Friedrich August II, dem Druck der Opposition nachgebend, das Kabinett Könneritz und setzte mit dem gemäßigten Märzministerium"unter Braun die erste von Bürgerlichen gebildete Regierung in der Geschichte Sachsens ein. Der Deutsche Vaterlandsverein und der Deutsche Verein entwickelten sich zu starken Gruppierungen unter den im April/ Mai in Dresden entstandenen politischen Vereinen.
In der Frankfurter Paulskirche traten am 18. März 1848 die Vertreter des deutschen Volkes, darunter Ludwig Uhland, Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahn, zur Deutschen Nationalversammlung zusammen, um für ganz Deutschland eine freiheitliche Verfassung zu beschließen und eine nationale Regierung zu Wählen.
Am 27.März 1849 wurde in der Frankfurter Paulskirche die Deutsche Reichsverfassung beschlossen. Die preußischen Hohenzollern sollten erbliche Kaiser eines deutschen konstitutionell regierten Reiches werden.
König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen lehnte aber die Kaiserwürde ab, weil er damit Preußens Staatlichkeit und die Erbansprüche seines Hauses hätte aufgeben müssen. Auch der König von Sachsen verweigerte der Reichsverfassung aus den gleichen Gründen die Anerkennung.
2. Teil: Barrikadenkämpfe für die Reichsverfassung im nächsten Blättl.